Bericht: ESCA-Generalversammlung Februar 2017

Die ECSA Delegierten vor dem Kulturzentrum Flagey in Brüssel. Foto: ECSA

ESCA-Generalversammlung Februar 2017 –
die europäische Dachorganisation im Dienste der
Musikschaffenden.
Ergebnisse und Perspektiven

Bericht von Dr. Martin Lichtfuss

Die Generalversammlung der ECSA am 15. Februar bot den Rahmen, um über die vergangenen Aktivitäten des Dachverbands Europäischer KomponistInnen Bilanz zu ziehen. Und diese fiel für das Jahr 2016 durchwegs erfreulich aus:

Erfolge 2016

Die in diesem Jahr durchgeführten Reformen und Beschlüsse im Europäischen Parlament tragen deutliche Spuren von ECSAs Initiativen. Maßgebliche Anpassungen zu Belangen von Musikschaffenden wie zur lang erwarteten Harmonisierung des europäischen Urheberrechts im Rahmen der Strategie für den Digitalen Binnenmarkt und zur entsprechenden Copyright-Direktive wären ohne die intensive Lobbying-Aktivität der Organisation nicht in der vorliegenden Gestalt zu Stande gekommen. Eine große Anzahl von Treffen, Unterredungen und Konferenzen mit EU-Institutionen (allein im Jahr 2016 über 50!) dokumentiert, wie schwierig und langwierig es ist, für uns UrheberInnen selbstverständliche Ansprüche gegenüber global agierenden Firmen (allen voran: Google/YouTube) durchzusetzen.

Recht kann nie schnell genug sein

Die rasanten Veränderungen der digitalen Kommunikationsformen und das Problem eines ständigen Nachhinkens administrativer Abläufe erfordern ein kontinuierliches Anpassen rechtlicher Standards. Zentrales Thema in diesem Zusammenhang ist der sog. value gap („Wertschöpfungslücke“), welcher sich durch die Weigerung von YouTube, aber auch anderer Streaming-Plattformen ergibt, die UrheberInnen der dort bereitgestellten Inhalte angemessen an ihren Einnahmen zu beteiligen. Dass die Problematik einer adäquaten urheberrechtlichen Erfassung von Streaming-Inhalten nicht einfach zu handhaben ist, liegt freilich auf der Hand. ECSA bemüht sich durch nachhaltiges Engagement auf vielen Ebenen darum, Musikschaffende nicht unter die Räder kommen zu lassen.

Miteinander Lösungen suchen

Die Verteidigung urheberrechtlicher Interessen ist für ECSA kein einseitiger „Kampf“; mit ihrer Politik verfolgt sie vielmehr eine Strategie des Dialogs zwischen AutorInnen und KonsumentInnen mit dem Ziel, die Interessen beider Parteien auf kooperative Weise auszubalancieren. Dazu zählt einerseits die Forderung nach Datenschutz, andererseits danach, diesen nicht zu missbrauchen, um urheberrechtsrelevante Informationen zu unterdrücken und Vergütungsansprüche zu umgehen. So agiert etwa die Plattform epidemic sound überhaupt abseits von solchen. Und nicht immer geht es ausschließlich um Geld: ECSA kämpft für das Recht von AutorInnen, grundsätzlich über die Verwertung ihrer Arbeiten informiert zu werden.

Musik in Computerspielen

Besonders augenfällig ist die Erfordernis einer stetigen Anpassung von Regelungen im Bereich von Computerspielen. Musikschaffende, welche ursprünglich meist fest bei Softwareschmieden angestellt waren und ihre Musik als endgültig abgegoltene Dienstleistung ablieferten, sitzen im Falle einer Änderung ihres Dienstverhältnisses als freie Mitarbeiter oft „zwischen den Stühlen“ – insbesondere dann, wenn sie durch ihre Dienstgeber gedrängt werden, auf Urheberrechte zu verzichten. Denn damit ist einer angemessenen Beteiligung an der Verwertung der Produkte der Boden entzogen. Es gilt daher, die Musikschaffenden als Tantiemenbezugsberechtigte in das System der Urheberrechtsgesellschaften zu integrieren.

Composers’ Directory – auf der Suche nach dem „richtigen“ Stück

Die Nachfrage nach Neuer Musik ist oft größer, als man glauben wollte. Es stellt MusikerInnen jedoch häufig vor unverhältnismäßige Probleme, angesichts der immer unübersichtlicher werdenden digitalen Wirklichkeit das „richtige“ Stück zu finden, sodass sich dies die wenigsten zumuten wollen. Diesbezüglich soll in Zukunft das Composers’ Directory ein effizientes Hilfswerkzeug bereitstellen: eine Informationsdatenbank, welche den internationalen Zugang zu KomponistInnnen und ihren Werken erschließen bzw. erleichtern wird. Das bisher im Entwicklungsstadium befindliche Projekt soll durch den Zusammenschluss mit der wesensverwandten französischen Plattform Lalo die Grundlage für ein effizientes Datennetzwerk schaffen, mit welchem KomponistInnen in Zukunft auf direktem Wege mit MusikerInnen vernetzt werden können. Als Alternative zum „klassischen“ Vertriebskanal über Verlag wird es in Zukunft möglich sein, Musikwerke direkt in einem ebook-Format hochzuladen und einem interessierten Publikum anzubieten, welchem solcherart der Zugang zu Werken bestimmter Charakteristik (Besetzungen, Dauer, etc.) erschlossen wird. Vor allem KünstlerInnen, deren Arbeiten nicht durch einen etablierten Verlag vertreten und beworben werden, dürften von diesem Angebot profitieren.

Creative Europe

Diese Initiativen spiegeln nur die wichtigsten internationalen Aktivitäten der ECSA wider. Unter etlichen weiteren Zielen und Bestrebungen sei noch ECSAs Konzert- und Veranstaltungsschiene hervorgehoben, welche die Sichtbarmachung der Organisation politischen wie öffentlichen Instanzen gegenüber gewährleistet. Damit versucht die europäische Dachorganisation der Musikschaffenden, dem Auftrag ihrer nationalen Verbände bestmöglich zu entsprechen. Sie ist hierbei nicht nur auf deren finanzielle Zuwendungen, sondern vor allem auch auf die Unterstützung der EU-Institutionen angewiesen. Diese haben in der Vergangenheit die kulturellen Aktivitäten im Rahmen des Creative Europe Program nachhaltig unterstützt. Es bleibt zu hoffen, dass angesichts besorgniserregender geopolitischer Entwicklungen in zahlreichen EU-Staaten mit diesen Zuwendungen auch in Zukunft gerechnet werden kann.

 

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Dr. Martin Lichtfuss ist Mitglied des ÖKB und Vorstandsmitglied der ECSA – European Composer and Songwriter Alliance .

 

Die Reisen der Delegierten des ÖKB zu ECSA-Meetings können stattfinden Dank der freundlichen Unterstützung durch:

akm

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