Bericht von der Generalversammlung der ECSA, 28.-30. September 2016

ECSA Delegierte bei der Generalversammlung am 30.9. in Ljubljana, Slowenien (c) ECSA

ECSA Delegierte bei der Generalversammlung am 30.9. in Ljubljana, Slowenien (c) ECSA

 

ECSA-Treffen vom 28.-30. September 2016 in Ljubljana

Bericht von Martin Lichtfuss

 

Urheberrecht in Zeiten von Facebook & Co.

Bei der Generalversammlung der European Composers’ and Songwriters’ Alliance Ende September in Ljubljana standen (einmal mehr) die Anliegen der AutorInnen in Zusammenhang mit der Wahrung ihrer Rechte – insbesondere im Umfeld der sogenannten Neuen Medien im Mittelpunkt (u.a. Google, YouTube und Facebook). Gerade für KomponistInnen stellt sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung immer mehr die Frage nach adäquaten Reglementierungen zum Schutz Ihrer Urheberrechte.

Die gerechtfertigten Ansprüche der AutorInnen auf faire Vergütung und transparente Vertragsverhältnisse werden ja beständig im Umfeld europäischer Gesetzgebungsorgane bis hinauf zur Ebene der Europäischen Kommission diskutiert und verhandelt. Während bei früheren Konferenzen eher von mühevollen vorbereitenden Maßnahmen und langwierigen Prozessen zu berichten war, gab es nun diesmal einen handfesten Erfolg vorzuweisen:  die eben erstellte Direktive der Europäischen Kommission, in welcher die jahrelangen Lobbying-Aktivitäten der ECSA durchgehend ihren Niederschlag finden.

Erfolg für ECSA

„Artists and creators are Europe’s crown jewels. I want journalists, publishers and authors to be paid fairly for their work“ – dass Kommissionspräsident Juncker am 14.9. dieses Bekenntnis ablegte, erscheint angesichts seiner ursprünglich wesentlich konsumentenorientierteren Haltung doch als bemerkenswerter Erfolg von ECSAs konsequenter Informationspolitik und ist ein Nachweis, dass deren Diplomatie und Kommunikationskultur zielführend war. Und dass in Folge dieses Grundsatzpapiers der Europäischen Kommission die Piraten-Partei mit ihrer EU-Proponentin Julia Reda schäumte, ist ein untrügliches Indiz dafür, dass hinsichtlich der Urheber-Interessen der richtige Kurs gefahren wird…

Das Ringen um einheitliche europäische Standards erfolgt im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen nach Schutz von AutorInnen-Rechten und jenen nach Informations- und Konsumfreiheit, Pluralität der Inhalte und VerbraucherInnen-Interessen. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer umfassend konsensfähigen Reglementierung erweisen sich immer wieder als enorm und verlangsamen die Verhandlungsprozesse, welche den ohnehin rasant fortschreitenden Umwälzungen beständig hinterherhinken. Das international kaum zu kontrollierende Internet erweist sich hierbei für AutorInnen und Vertriebskanäle oft genug als nicht nur chancenreiches, sondern ebenso fragwürdiges Vehikel.

Absurdes Preisgefüge

Dass z.B. der Musik-Streaming-Dienst spotify seine Dienstleistungen in Ostblockländern um die Hälfte des westlichen Tarifs, in Ländern wie den Philippinen gar um ein Viertel (!) anbietet, mag vor dem Hintergrund der jeweiligen regionalen Bruttosozialprodukte auf den ersten Blick einleuchten, eröffnet technisch versierten Nutzern aus Industrienationen aber absurde Preisvorteile (wer diese nutzen will, muss die spotify-Anmeldung halt über einen z.B. philippinischen Proxy-Server laufen lassen….). Welche Konsequenzen aus solchem Tarifchaos sollen da UrheberInnen mit ihren Ansprüchen nach „fairer“ Vergütung ziehen, wenn sogar ein Weltkonzern wie spotify sich mit ein paar Klick-Tricks übers Ohr hauen lässt?

An einem Strang ziehen

Die Angst vor Preisdumping und Kontrollverlust in Folge der Globalisierung ist begründet. Als Konsequenz aus dieser Situation, welche AutorInnen wie Provider gleichermaßen fordert, ergibt sich die Erkenntnis, dass trotz unterschiedlicher Interessenslage die verschiedenen Glieder der Wertschöpfungskette letztlich alle im „gleichen Boot“ sitzen. Und dass daher die (oft kontroversiellen) Argumente aller Beteiligten ernst genommen werden müssen.

Diese sind unter vielen: der Ruf nach mehr Kontrolle bezüglich Urheberrechtsverletzungen einerseits, die Furcht vor Überreglementierung andererseits; die Angst der UrheberInnen, bei der Expansion der Märkte unberücksichtigt zu bleiben bzw. ausgebeutet zu werden (die Forderung nach Geoblocking) welche der Idee grenzenloser Zivilisationsräume entgegenwirkt; die Erkenntnis, dass Plattformen wie GoogleYouTube oder Facebook die unkontrollierte Bereitstellung urheberrechtlich geschützter Inhalte geradezu voraussetzen, diese aber die AutorInnen, wenn überhaupt, nur symbolisch an den Werbeeinnahmen teilhaben lassen – eine Anschauung, auf welche von Google etwa mit dem Verweis auf den Werbeeffekt ihrer Plattform gekontert wird. Und nicht zuletzt: die Hoffnung seitens der UrheberInnen auf Einkommenssteigerungen durch ein reformiertes EU-Recht, welcher wiederum die Angst vor Kostenwachstum auf Produzentenseite gegenübersteht.

Eine nicht zu unterschätzende Interessensvertretung

Im Zuge des Strebens nach Lösungen und vertraglicher Rechtssicherheit verfolgt ECSA mit ihrer Kommunikationsstrategie einen konstruktiven Kurs, der auf Dialog und Solidarität setzt und Verständnis zu erwecken sucht, statt Konfrontation anzustreben. Damit war man – wie die Einflussnahme auf die Direktive der Europäischen Kommission zeigt – gerade in jüngster Zeit höchst erfolgreich, und es bleibt nun zu hoffen, dass der eingeschlagene Weg auf der Ebene des Europäischen Parlaments fortgesetzt werden kann, auch wenn die Herausforderungen weit über Europa hinausragen. Das Kräftespiel im internationalen Gefüge und vor dem Hintergrund permanenter technischer Innovationen erfordert gezielte Maßnahmen auf der Grundlage strategischer Partnerschaften.

Durch internationale Kooperationen mit Partnerorganisationen aller Kontinente wie IMC (International Music Council) oder CIAM (International Council Of Music Authors), aber auch mit Interessensvertretungen verwandter Disziplinen wie IMPF (Independent Music Publishers Forum) oder FSE (Federation of Screenwriters in Europe) koordiniert ECSA ihre Initiativen im Kontext globalisierter Märkte und erhöht durch Synergien ihr Durchsetzungsvermögen. Die AutorInnen europäischer Länder verfügen mit ihrer Dachorganisation über eine unverzichtbare, weil effektive und mit Augenmaß agierende internationale Interessensvertretung.

 

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Martin Lichtfuss ist Vorstandsmitglied der ECSA – European Composer and Songwriter Alliance .

 

Die Reisen der Delegierten des ÖKB zu ECSA-Meetings können stattfinden Dank der freundlichen Unterstützung durch:

akm

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