Creators‘ Conference 2016

Martin Lichtfuss und Alexander Kukelka bei der Creators’ Confernce in Brüssel Foto: John Staples

Martin Lichtfuss und Alexander Kukelka bei der Creators’ Confernce in Brüssel
Foto: John Staples

Dass die diesjährige Creators’ Conference vom 31.5.2016 in Brüssel unter der Patronanz des Europäischen Parlaments stand, war zweifellos mehr als ein formaler Akt. Eine Vielzahl verwandter Berufsvertretungen wie die European Federation of Journalists (EFJ), the European Writers’ Council (EWC), the Federation of European Film Directors (FERA) und etliche weitere bekundeten durch Ihre Teilnahme an der von der ECSA ausgerichteten Veranstaltung ihre Solidarität mit den Anliegen europäischer KomponistInnen und konnten das Impulsreferat des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Andrus Ansip verfolgen. Als mit digitalen Medien befasster Kommissar ließ er durch seine ausdrückliche Forderung nach Transparenz, fair trade und sein (vorerst freilich bloß verbales) Eintreten für die Ansprüche und Rechte von AutorInnen aufhorchen. Was auf den ersten Blick als wenig konkretes, unverbindliches Lippenbekenntnis anmutete, war vor dem Hintergrund einschlägiger, 1-2 Jahre zurückliegender Stellungnahmen doch bemerkenswert: Ließen die Statements damals noch auf eine nachdrückliche Bevorzugung der Interessen von KonsumentInnen schließen, zu Gunsten derer Urheberrechtsansprüche hintanzustellen wären (etwa hinsichtlich einer uneingeschränkten Unterdrückung von geoblocking), so stimmten seine Solidaritätsbekundungen diesmal hoffnungsvoll, auch wenn es sich (noch) bloß um Absichtserklärungen handelte: Derzeit wird an einem neuen, zeitgemäßen europäischen Urheberrecht gebaut, und angesichts des bevorstehenden langwierigen und mühsamen Prozesses einer Harmonisierung der rechtlichen Standards von 28 Mitgliedsländern ist es von entscheidender Bedeutung, schon im Vorfeld der Verhandlungen der Stimme der AutorInnen Gehör zu verschaffen und die „richtigen“ Weichenstellungen vorzunehmen. Hier ist es der ECSA durch konstruktive Kommunikationskultur und konsequente Aufklärungsarbeit gelungen, das Verständnis der Europäischen Kommission zu wecken, so dass sie mittlerweile die Aussagen der von der ECSA entworfenen Deklaration voll inhaltlich unterstützt (u.a. in der kürzlich gehaltenen Rede des Kommissars Navracsics nachzuprüfen: http://ec.europa.eu/commission/2014-2019/navracsics/announcements/time-put-creators-heart-digital-single-market_en; siehe auch http://composeralliance.org/creators-conference-2016/ ). Das war vor kurzem noch nicht so, und es wäre es auch heute nicht, hätte man zur Durchsetzung der eigenen Interessen auf einen Konfrontationskurs gesetzt. Im Gegensatz dazu erweist sich ein respektvoller und um Verständnis bemühter Umgang mit den Verantwortlichen als viel effizienter. Denn er ist die Grundvoraussetzung der Kooperation unterschiedlicher Teile einer Wertschöpfungskette, welche letztlich von derselben Sache profitieren: dem geistigen Potenzial von Autorinnen und Autoren.

lichtfuss-portraet_-ausschnitt

 

 

 

Martin Lichtfuss ist Vorstandsmitglied der ECSA – European Composer and Songwriter Alliance .

Die Reisen der Delegierten des ÖKB zu ECSA-Meetings können stattfinden Dank der freundlichen Unterstützung durch:

akm

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar