„Evolution auf B – der Komponist Karl Schiske“

Evolution auf B - Standbild

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„Evolution auf B – der Komponist Karl Schiske“
Filmischer Essay von Kurt Brazda

Anlässlich des 100. Geburtstags von Karl Schiske widmet sich der Regisseur Kurt Brazda in einem Essay dem Schaffen des Komponisten und seinem Nachwirken auf eine ganze Generation österreichischer KomponistInnen.

Die Galapremiere des Essayfilms „Evolution auf B – der Komponist Karl Schiske“ findet anlässlich der 200-Jahrfeier der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am
26. Jänner 2017 um 19 Uhr im Stadtkino im Künstlerhaus statt.
Der Eintritt ist frei. Zählkarten sind vor Ort erhältlich.
www.stadtkinowien.at

Kamera und Schnitt : Benjamin Epp, Ton: Tong Zang, Gerd Jochum, Andreas Rathammer, Produktionsleitung: Bernadette Stummer, Mit Kaori Nishii Klavier, Klangforum Wien Dir. Johannes Kalitzke, Buch und Regie: Kurt Brazda

Der ÖKB veröffentlichte 2016 anlässlich des Jubiläums bereits einen Call for Scores und war Kooperationspartner für eine Konzertreihe der Univerisät für Musik und darstellende Kunst Wien.

Über Karl Schiske:
Karl Schiske (1916–1969) zählt zu den Schlüsselfiguren der österreichischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein insgesamt 51 opera umfassendes kompositorisches Schaffen kann in mehrfacher Hinsicht als repräsentativ angesehen werden. Nicht nur umfasst es ein breites Spektrum an Gattungen – vom Lied über die Klavier- und Kammermusik in diversen Besetzungen bis hin zum Oratorium und zur Sinfonie. Vielmehr spiegelt es in seltener Breite die kompositorischen Tendenzen des Jahrhunderts wieder. Schiske, der über seinen Lehrer Ernst Kanitz noch der Wiener Schreker-Schule angehört, schließt in seinen bis in die 1940er Jahre entstandenen Werken zunächst an die (im weitesten Sinn) neoklassizistische Orientierung dieser Zeit an. Seine eigentliche Bedeutung beruht freilich darauf, dass er nach 1945 wie kein anderer österreichischer Komponist seiner Generation die internationale Produktion rezipiert und geradezu systematisch die Entwicklungsschritte der zeitgenössischen Musik in seinem Schaffen verarbeitet hat: Dodekaphonie und Wiener Schule (z.B. in der 3. und 4. Sinfonie), die Frage der Rhythmusorganisation bzw. den Serialismus (zuletzt im Divertimento op. 49), Aleatorik und offene Form (in Synthese op. 47), schließlich sogar noch die mikropolyphone Klangflächentechnik (in der 5. Sinfonie). Dabei hat Schiske aber stets eine eigene Physiognomie gewahrt, die sich u.a. in einem – niemals „konservatorischen“, sondern auf Erneuerung zielenden – Traditionsbezug und in einem musikalischen Denken manifestiert, das auf Verbindung und Integration gerichtet ist (und von ihm selbst auf den schillernden Begriff „Synthese“ gebracht wurde).
Die Vermittlung der aktuellen Tendenzen des zeitgenössischen Komponierens und ein diskursives Vorgehen, das Raum für individuelle Entfaltung bot, prägte auch die Lehrtätigkeit Schiskes. 1952 an die Wiener Musikakademie berufen, und dort ein Vertreter des Fortschritts, hat Schiske eine bedeutende Schule begründet. So waren alle wichtigeren österreichischen Komponisten der Folgegeneration entweder Angehörige seiner Klasse oder standen mit ihm zumindest in Verbindung. Hinzu kamen „institutionelle“ Initiativen, am bekanntesten wohl Schiskes unermüdlicher Einsatz, um österreichischen Interessenten die Teilnahme an der Darmstädter Ferienkursen zu ermöglichen, aber auch seine Bemühungen, die zur Gründung eines Studios für elektronische Musik an der Wiener Musikakademie führten. Zwar ist Schiskes Musik heute nur mehr verhältnismäßig selten zu hören (eine der wenigen Ausnahmen war der ihm gewidmete Schwerpunkt beim Festival „wien modern“ 1994), doch hat Schiske prägenden Einfluss auf die jüngere österreichische Kompositionsgeschichte ausgeübt.
(Text von Univ.Prof. Dr. Markus Grassl)
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