Nachbericht ÖKB-Filmmusik-Tage 2017

Abschlussbericht: 

Wiener Filmmusik Preis 2017 –
Film Composers’ Lounge #9 –
Austrian Film Music Day 2017 

Seit vielen Jahren setzt der Österreichische Komponistenbund (ÖKB) besondere Aktivitäten zur Förderung der heimischen Filmmusik. Im Mittelpunkt stehen dabei der Wettbewerb „Wiener Filmmusik Preis“, das Konzertformat „Film Composers’ Lounge“ sowie der Fachtag und Branchentreff „Austrian Film Music Day“.

Wiener Filmmusik Preis 2017

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Den bundesweiten Filmmusik-Wettbewerb „Wiener Filmmusik Preis“ richtete der ÖKB bereits zum siebten Mal aus. Von Dezember 2016 bis Mitte Jänner 2017 waren Musikschaffende aller Genres bis zum vollendeten 40. Lebensjahr aufgerufen, eine Sequenz aus dem aktuellen österreichischen Film „Egon Schiele – Tod und Mädchen“ (Regie: Dieter Berner, Produktion: Novotny&Novotny Film 2016) neu zu vertonen und zum Wettbewerb einzureichen.

Der „Wiener Filmmusik Preis 2017“ ist mit 7.000,- Euro dotiert, gestiftet von Filmfonds Wien/Stadt Wien.

Die Ausschreibung für eine konkrete Kammermusikbesetzung bot den Einreichenden in diesem Jahr die Möglichkeit ihr handwerkliches Geschick in der klassischen Instrumentation zu zeigen.

Eine internationale Fachjury – Anselm Kreuzer (Vorsitz, Komponist und Musikproduzent, DE), Siegfried Friedrich (Komponist, AT), Jessica de Rooij (Komponistin, AT), Iris ter Schiphorst (Komponistin, DE/AT), Eva Jantschitsch (Komponistin, Musikerin, AT) Jan Harlan (Produzent UK) – kürte aus den Einreichungen den Siegerclip 2017.

Wie im Vorjahr hatten sechs Finalistinnen und Finalisten des „Wiener Filmmusik Preis“ die Möglichkeit ihre Neuvertonungen in einem Workshop, diesmal unter der Leitung von Komponist Gerd Baumann, zu optimieren bevor sie der Jury vorlegten wurden.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der „Film Composers’ Lounge #9“ am Freitag, 17. März 2017 im Musicclub Porgy & Bess statt. Der 24-jährige Student der Medienkomposition Ádám Lipták überzeugte die Fachjury mit seiner Neuvertonung des Clips. Den zweiten Platz erlangte Daniel Stadler, Platz drei ging an Christian Afonso. Mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde die Neuvertonung des Duos Flora Geißelbrecht und Tahir Ibishov. Gemeinderätin Mag. Sybille Straubinger überreichte in Vertretung der Stadt Wien den mit 7.000,- Euro dotierten Preis an den Sieger. Die Zweit- und Dritt-Platzierten durften sich über Sachpreise von Vienna Symphonic Library und Hoanzl freuen.

Anselm Kreuzer, Komponist und Juryvorsitzender des „Wiener Filmmusik Preis 2017“ begründete die Entscheidung der Jury: „Alle Preisträger und Preisträgerinnen haben es verstanden, den Spagat zu meistern, den eine Filmmusik erfordert, die für das heutige Publikum gedacht ist und gleichzeitig das Flair von vor hundert Jahren einfängt. Mit profundem kompositorischem Können haben sie die vielschichtige Emotionalität der Filmsequenz ausgeleuchtet und die Handlung sensibel ausgedeutet. Die Filmmusik von Ádám Lipták ist ausdrucksstark und gibt dem Film auf konsistente Weise eine melancholische und dramatische Note.“

Der Gewinner und seine Neuvertonung wurden auch beim „Austrian Film Music Day“ am 18. März an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien präsentiert. Dort wurde allen WettbewerbsteilnehmerInnen auch die Möglichkeit geboten, von Experten Feedback zu ihren Einreichungen einzuholen.

Film Composers’ Lounge #9

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Als Galaabend der österreichischen Filmmusik präsentiert die „Film Composers’ Lounge“ aktuelle Arbeiten von Filmmusikschaffenden live und zur Leinwandprojektion. Auch bei der neunten Ausgabe am 17. März 2017 im Jazz&Musicclub Porgy&Bess Wien, wurde mit ausgewählten Acts – von etablierten Profis bis zu Nachwuchstalenten – Einblick in die Vielfalt österreichischer Film- & Medienmusik gegeben.

Den Abend eröffnete der Film „8 Miniaturen für Trompete“ der Filmemacher Beatrix und Dietmar Hollenstein mit Fanfaren für Trompete solo von Friedrich Cerha, Leonhard Leeb, György Ligeti, Gottfried von Einem und Kurt Schwertsik. Leonhard Leeb interpretierte die Musikstücke live zur Leinwandprojektion. Aus der Fernsehreihe „Landkrimi“ präsentierte die „Film Composers’ Lounge“ eine Arbeit der Medienkomponistin Iva Zabkar – „Landkrimi Südtirol – Endabrechnung“.Iva Zabkar sprach auf der Bühne über ihre wiederholte Zusammenarbeit mit Regisseur Umut Dag. Vom Ensemble Reconsil live interpretiert wurden drei Miniaturen von Philipp Tröstl für die Reihe „Über Österreich“. Ebenfalls live erleben konnte das Publikum Mischa Krausz’ Filmmusik zum Animationsfilm „Ritter Trenk“.

Auch in diesem Jahr stellte die „Film Composers’ Lounge“ eine Nachwuchsarbeit vor: Der Film „ReDrum“ und dessen Filmmusik entstanden aus dem Projekt „lauschergreifend 4 kids“ des ÖKB mit SchülerInnen des BRG Boerhaavegasse unter der Leitung von Siegfried Friedrich. Der Komponist und Projektleiter berichtete gemeinsam mit den SchülerInnen über den Entstehungsprozess des Films.

Einen Höhepunkt des Abends stellte die feierliche Verleihung des „Wiener Filmmusik Preis 2017“ und die Präsentation der besten Neuvertonung eines Clips aus „Egon Schiele – Tod und Mädchen“ (Regie: Dieter Berner, Produktion: Novotny&Novotny 2016) dar.

 Die Musik zum vielfach ausgezeichneten Film „Thank you for bombing“ steuerte Wolfgang Mitterer bei. Regisseurin Barbara Eder, Produzent Tommy Pridnig und Hauptdarsteller Erwin Steinhauer erzählten über die intensive Arbeit am Film und ihren Zugang zu Filmmusik.

 Der letzte Programmpunkt des Abends war dem Filmmusikschaffen von Eva Jantschitsch, vielen bekannt als Gustav, gewidmet. Eva Jantschitsch spielte begleitet von Elise Mory und Oliver Stotz live zu Ausschnitten aus Mirjam Ungers „Maikäfer flieg“ und Florian Flickers „Grenzgänger“.

Moderiert wurde der Abend von Komponist und ÖKB-Präsident Alexander Kukelka.

Mehr Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier.

Austrian Film Music Day 2017

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 Am 18. März 2017 veranstaltete der Österreichische Komponistenbund in Kooperation mit der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zum fünften Mal den „Austrian Film Music Day“ – Fachtag und Vernetzungsplattform der heimischen Film- & Medienmusikbranche.

Der thematische Fokus lag in diesem Jahr auf „(Film-)Musik in der Fernsehproduktion“. Mit Vorträgen, Impulsreferat und Fachtalk setzten sich ExpertenInnen und das Publikum mit diesem Thema, den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich und Business-Perspektiven für FilmkomponistInnen auseinander.

Nach der Eröffnung durch mdw-Vizerektor Christian Meyer und ÖKB-Präsident und Vorsitzenden der ÖKB Fachgruppe Film- & Medienmusik Alexander Kukelka schaffte Anselm Kreuzers Impulsreferat mit vielen sehr konkreten und praktischen Überlegungen unter dem Motto „Musik im Fernsehen – zwischen Einzelkämpfertum und Teamwork“ den Einstieg ins Thema. Budgets und übliche Tarife wurden ebenso angesprochen wie Arbeitsbedingungen und –abläufe.

Den Studienzweig „Medienkomposition und Angewandte Musik“ an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien präsentierte Komponistin und Lehrende Iris ter Schiphorst. Sie betonte insbesondere das breite Spektrum der Ausbildung, das die Studierenden erhalten. Herbert Tucmandl erklärte in seiner Präsentation „Synchron Stage Vienna – internationale Filmmuisk aus Wien“ die Arbeitsschritte bei Filmmusikaufnahmen mit Orchester und stellte die vielfältigen Möglichkeiten eines der modernsten Aufnahmestudios für Filmmusik in Europa vor.

Ein Veranstaltungs-Slot war der Präsentation des Gewinners des „Wiener Filmmusik Preis 2017“ gewidmet. Der frischgebackene Preisträger Ádám Lipták berichtete über seine Arbeit am Siegerclip. Moderatorin Irene Suchy analysierte mit dem Juryvorsitzenden Anselm Kreuzer und dem Vorsitzenden der Fachgruppe Film- & Medienmusik Alexander Kukelka die Bedeutung des Wettbewerbs als Sprungbrett für Talente und die Wichtigkeit der Förderung junger KomponistInnen.

Besonders hervorgehoben hat der „Austrian Film Music Day 2017“ die wichtige Beziehung RegisseurIn – KomponistIn. In drei Programmslots unter dem Titel „Best Practice“ sprachen die „Gespanne“ über ihre Zusammenarbeit. Komponist Bob Gutdeutsch und Regisseur und Drehbuchautor Erhard Riedlsperger gaben Einblick in ihr langjähriges gemeinsames Schaffen u.a. bei der Fernsehserie „Soko Donau“. Die deutsche Filmkomponistin Jessica de Rooij sprach über ihre Projekte für verschiedene Fernsehsender und gemeinsam mit Regisseur und Ehemann David Sieveking über die Zusammenarbeit an dessen außergewöhnlichen Dokumentarfilmen. Die Erfolgsproduktion „Maikäfer flieg“ präsentierten Musikerin und Komponistin Eva Jantschitsch und Regisseurin Mirjam Unger. Beide betonten, wie wichtig es sei, eine gemeinsame Sprache zwischen Regie und Musik zu finden.

Der Fachtalk „Film & Musik“ widmete sich den Produktionsbedingungen in Österreich und beruflichen Perspektiven im Geschäftsfeld Fernsehproduktion für die Film(musik)-schaffenden. Moderiert von Irene Suchy diskutierten dazu Peter Janda (Komponist, AKM), Walter Köhler (CEO Terra Mater Facutal Studios), Anselm Kreuzer (Komponist, Musikproduzent) Erhard Riedlsperger (Regisseur, Drehbuchautor), Jessica de Rooij (Komponistin), Konstantin Seitz (Produzent, Geschäftsführer Alternative Productions) und Philipp Tröstl (Komponist).

Zu allen Programmpunkten hatte das Publikum die Möglichkeit sich einzubringen und Fragen zu stellen. Diese Gelegenheit wurde von den Anwesenden gerne in Anspruch genommen. Auch die Pausen zwischen den Vorträgen wurden genutzt um sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Der Austrian Film Music Day als branchennahes Symposium möchte insbesondere Studierenden und angehenden Komponistinnen und Komponisten über ihr Studium hinaus den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.

 Parallel zum Austrian Film Music Day fanden wie in den vergangenen Jahren „Feedbackgespräche Wiener Filmmusik Preis“ statt. Wettbewerbs-TeilnehmerInnen konnten zu ihren eingesandten Neuvertonungen Feedback und Anregungen von Profis (Mischa Krausz, Michael Mautner) einholen.

Zum Abschluss des „Austrian Film Music Day“ lud der ÖKB zu einer weiteren Ausgabe des KomponistInnen- & Songwriter-Stammtisch im Café Zartl. Alle Musikschaffenden sind zu den regelmäßig stattfindenden Treffen herzlich eingeladen. Als Special Guest war diesmal der deutsche Komponist und Musikproduzent Anselm Kreuzer anwesend und stand Interessierten für Fragen und Informationen zur Verfügung.

 Mehr Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier.

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