Call for Scores – Karl Schiske-Jubiläum

Karl Schiske (c) Archiv SchiskeAnlässlich des 100. Geburtstags von Karl Schiske im Jahr 2016 schreibt der ÖKB einen „Call for Scores“ für Kammermusik- und Ensemblewerke aus. Die Komposition soll einen ideellen Bezug zum Schaffen und Wirken von Karl Schiske aufweisen. Einen Text zu Leben und Werk des Komponisten finden Sie untenstehend.

Besetzungsrahmen:

Ensemblewerk: max. 10 Musiker, max. Dauer 15′
Auswahl aus: Flöte (1), Klarinette (1), Fagott (1),  Horn (1), Trompete (1), Posaune (1), Klavier (1), Violine (2), Viola (1), Violoncello (1), Kontrabass (1)

Kammermusikwerk: max. 5 Musiker, max. Dauer 10′
Auswahl aus den oben genannten Instrumenten

Jede KomponistIn der/die den Lebensmittelpunkt in Österreich hat, kann ein Werk pro Kategorie einreichen. Die Kompositionen müssen nicht speziell für den Wettbewerb geschaffen worden sein. Die Einreichung erfolgt anonym. Die Partituren sind in dreifacher, gebundener Ausfertigung an das Büro des Österreichischen Komponistenbundes einzusenden:
Österreichischer Komponistenbund, „Karl Schiske Jubiläum“, Ölzeltgasse 4/5, 1030 Wien

Die Partituren sind mit einem Kennwort auf der Titelseite zu kennzeichnen. In einem beigefügten verschlossenen Kuvert, welches mit dem korrespondierenden Kennwort versehen ist, sind ein ausgefülltes Formblatt und ein Lebenslauf beizulegen. Die eingesandten Partituren werden nicht retourniert. Die Auswahl der Werke, die im Rahmen des Jubiläumskonzertes am 14. Mai 2016 durch das Webern Ensemble Wien (Leitung: Jean-Bernard Matter) zur Aufführung gelangen werden, erfolgt durch eine Fachjury.

Ende der Einreichungsfrist: 15. Februar 2016 (Datum des Poststempels)

 

Karl Schiske

Karl Schiske (1916–1969) zählt zu den Schlüsselfiguren der österreichischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein insgesamt 51 opera umfassendes kompositorisches Schaffen kann in mehrfacher Hinsicht als repräsentativ angesehen werden. Nicht nur umfasst es ein breites Spektrum an Gattungen – vom Lied über die Klavier- und Kammermusik in diversen Besetzungen bis hin zum Oratorium und zur Sinfonie. Vielmehr spiegelt es in seltener Breite die kompositorischen Tendenzen des Jahrhunderts wieder.

Schiske, der über seinen Lehrer Ernst Kanitz noch der Wiener Schreker-Schule angehört, schließt in seinen bis in die 1940er Jahre entstandenen Werken zunächst an die (im weitesten Sinn) neoklassizistische Orientierung dieser Zeit an. Seine eigentliche Bedeutung beruht freilich darauf, dass er nach 1945 wie kein anderer österreichischer Komponist seiner Generation die internationale Produktion rezipiert und geradezu systematisch die Entwicklungsschritte der zeitgenössischen Musik in seinem Schaffen verarbeitet hat: Dodekaphonie und Wiener Schule (z.B. in der 3. und 4. Sinfonie), die Frage der Rhythmusorganisation bzw. den Serialismus (zuletzt im Divertimento op. 49), Aleatorik und offene Form (in Synthese op. 47), schließlich sogar noch die mikropolyphone Klangflächentechnik (in der 5. Sinfonie). Dabei hat Schiske aber stets eine eigene Physiognomie gewahrt, die sich u.a. in einem – niemals „konservatorischen“, sondern auf Erneuerung zielenden – Traditionsbezug und in einem musikalischen Denken manifestiert, das auf Verbindung und Integration gerichtet ist (und von ihm selbst auf den schillernden Begriff „Synthese“ gebracht wurde).

Die Vermittlung der aktuellen Tendenzen des zeitgenössischen Komponierens und ein diskursives Vorgehen, das Raum für individuelle Entfaltung bot, prägte auch die Lehrtätigkeit Schiskes. 1952 an die Wiener Musikakademie berufen, und dort ein Vertreter des Fortschritts, hat Schiske eine bedeutende Schule begründet. So waren alle wichtigeren österreichischen Komponisten der Folgegeneration entweder Angehörige seiner Klasse oder standen mit ihm zumindest in Verbindung. Hinzu kamen „institutionelle“ Initiativen, am bekanntesten wohl Schiskes unermüdlicher Einsatz, um österreichischen Interessenten die Teilnahme an der Darmstädter Ferienkursen zu ermöglichen, aber auch seine Bemühungen, die zur Gründung eines Studios für elektronische Musik an der Wiener Musikakademie führten. Zwar ist Schiskes Musik heute nur mehr verhältnismäßig selten zu hören (eine der wenigen Ausnahmen war der ihm gewidmete Schwerpunkt beim Festival „wien modern“ 1994), doch hat Schiske prägenden Einfluss auf die jüngere österreichische Kompositionsgeschichte ausgeübt.

Univ.Prof. Dr. Markus Grassl

Schreibe einen Kommentar