Der ÖKB trauert um sein ältestes Mitglied Siegfried Lang

Siegfried Lang ist am 7. August 2019 verstorben; nur wenige Tage nach seinem 100. Geburtstag, den er am 3. August feierte.

Der ÖKB trauert um sein ältestes Mitglied, das durch sein musikalisches Schaffen, und nicht zuletzt auch durch die Erstellung des Lexikons österreichischer U-Musik-Komponisten, große Anerkennung genoss.

Der Österreichische Komponistenbund wird Siegfried Lang stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Siegfried Lang
(Im Mai 2019 führte ÖKB-Präsident Alexander Kukelka ein Gespräch mit Siegfried Lang über dessen musikalischen Werdegang)

Eine der ersten musikalischen Tätigkeiten des 1919 in Millstatt/Kärnten geborenen, am Konservatorium Klagenfurt und an der Wiener Musikakademie in Satzlehre, Klavier, Instrumentenkunde und Formanalyse ausgebildeten Siegfried Lang, waren Radiosendungen für den amerikanischen Sender in der Villa von Hedwig Bleibtreu in Wien. Während die Amerikaner die Gitarren bedienten, spielte er das Akkordeon. Und nach vielen gemeinsamen Minuten des Musizierens hieß es einmal: „Now it´s Sigi Time“ und Siegfried Lang legte mit einem nicht enden wollenden Solo los. Und dies war erst der Beginn und blieb nicht der einzige Auftritt als Akkordeonist, Pianist und Gesangs-Solist. Viele weitere folgten, oftmals als Alleinunterhalter und Barpianist in großen Hotels von Bad Gastein, über Kitzbühel bis Wien. 1950 erhielt er von Dir. Erwin Saldern das Angebot als musikalischer Begleiter der renommierten Karl Farkas-Revuen im Kabarett Weihburg mitzuwirken. Später spielte er in verschiedenen Ensembles, wie in dem von ihm geleiteten „Wiener Akademischen Swingtett“, für welches er zunehmend auch komponierte. Insgesamt schuf er ca. 250 Werke, die von den wichtigsten InterpretInnen ihrer Zeit, wie Peter Alexander, Liana Augustin, Greta Keller oder Heinz Conrads auf Tonträger aufgenommen wurden.

Seine größte Popularität feierte er schon bald darauf in den 1950–70 Jahren, in denen oft täglich bis zu acht seiner Lieder im Österreichischen Rundfunk gespielt wurden.

Neben seiner großen Leidenschaft, der Musik, verfolgte er parallel einen zweiten künstlerischen Weg: nämlich den des Texters und Autors. So verwundert es nicht, dass für seine erste ORF-Aufnahme des Liedes „Moonrise/OhneLiebe wär die Welt“ (1949) er „nur“ den Text beisteuerte, während die Musik von Robert Sadil stammte. Dies sollte sich freilich später ändern, denn die Verbindung von Musik und Text wurde zunehmend wichtiger für sein Schaffen. Sein eigener Texter zu sein, darin sieht er auch heutenoch eine der Grundlagen seines Erfolgs, denn, so sagt er, „es sei einfach ein Unterschied, ob man vom Schreibtisch aus „nur“ komponiert und es anschließend jemandem zum Vertonen weitergibt, oder wenn man selber für Text und Musik verantwortlich zeichnet“. Als Texter weiß er eben am Besten wie ein Lied zu komponieren und zu interpretieren sei. „Und wie wichtig es auch für die Sänger ist, keine falsche Silbe zu betonen. Es gibt in manchen Liedern allzu oft große „Holprigkeiten“. Schließlich soll ja eine Botschaft erzählt werden und nicht „nur“ ein Lied erklingen.“ Welch groß Bedeutung der Textanteil in seinem Schaffen einnimmt, spiegelt sich auch darin wider, dass er lange Jahre Vorstandsmitglied des Verbands Österreichischer Textautoren (VOET) war.

Dies war jedoch nur eine der vielen offiziellen Funktionen, die der umtriebige Musiker und Komponist im Laufe seines Lebens bekleidete. Nachdem er dem ÖKB 1960 beigetreten war übernahm er ebendort für 10 Jahre das Amt des Schriftführers. Zudem wurde er auf Vorschlag von Prof. Ferstl in die Programm-Prüfungskommission (PPK) der AKM gewählt, welcher er schon seit 1949 angehörte (seit 1958 als Ordentliches Mitglied), und dessen Vorsitzender er dann über 40 Jahre lange war.

Auch heute ist noch immer seine Maxime, dass es für Komponisten eben das wichtigste sei, „gute und ehrliche Musik“ zu machen, denn man habe als Komponist schließlich „enorm große Verantwortung, da Österreich ein Musikland sei“. Dabei macht Siegfried Lang keinen Unterschied zwischen U- und E-Musik. Diese Dichotomie ist seiner Überzeugung nach nur aus abrechnungs- und verwaltungstechnischen Gründen innerhalb der AKM notwendig. In der Praxis aber, so meint er, gehen beide Sparten fließend ineinander über.

Besondere Verdienste für die Musikwelt hat sich Prof. Siegfried Lang nicht zuletzt mit dem von ihm im Auftrag des Österreichischen Komponistenbundes verfassten „Lexikon Österreichischer U-Musik Komponisten im 20. Jahrhundert“ erworben, das 1986 – nach 5 jähriger intensiver Recherche und Arbeit – erschienen ist (mit einem Nachtrag von 1996) und in dem, wie er sagt, „in möglichst repräentativer Querschnitt an zeitgenössischen, sowie nicht mehr lebenden Komponisten erfasst“ werden sollte, um die vorhandene Lüke einschlägiger Literatur zu füllen.

Der Begriff „-Musik“ ist in seinem Sinne dabei relativ weit gefasst. So enthält das Lexikon nicht nur Informationen zu KomponistInnen der Volks- und Popmusik, sondern auch über LiedermacherInnen, SongwriterInnen bis hin zum Jazz. Das Lexikon wurde im gesamten deutschen Sprachraum u. a. bei Rundfunkanstalten verbreitet und trug so wesentlich zur Verbreitung des österreichischen Repertoires und seiner UrheberInnen bei.

Auf die abschließende Frage, auf was er rückblickend in seinem langen künstlerischen Schaffen besonders stolz sei, antwortete er, dass es ihm als Kärntner gelungen ist, mit dem Lied „Grüßdi Gott, wie geht es Ihnen?“ einen regelrechten „Gassenhauer“ zu schaffen, der so tief im „Wiener Lied“ verankert gewesen sei, dass er lange Zeit als Begrüßung in fast jedem Wiener Heurigen gespielt wurde.

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