Tote Gratis-Kunst gegen neue bezahlte

Eine skandalöse Empfehlung des Rechnungshofes

Vor einigen Tagen ging der Rechnungshofbericht zum Wiener Volkstheater durch die Medien, in dem der Rechnungshof dem Wiener Volkstheater zur Sanierung empfiehlt, tantiemenfreie Stücke zu spielen.

Eine Befolgung dieser Empfehlung wäre das Ende jeder lebendigen Theaterkultur. Mit ihr würden die Gegenwartsdramatik und die Gegenwartsmusik von den Bühnen verbannt und gespielt würden Werke von schon vor 70 Jahren und mehr verstorbenen Autor/inn/en und Komponist/inn/en. Die Verfasser/innen der ohnehin gesicherten historischen Kunst würde als Konkurrenz gegen die noch unerprobte Gegenwartskunst eingesetzt.

Die großen Spielstätten und Theater sind von ihren Kapazitäten her die wichtigsten Mulitplikatoren von neuen Werken der Musik und Literatur und das Bestreben von Kunst- und Kulturverbänden ist seit vielen Jahren, gerade in diesen Häusern den Gegenwartsanteil zu erhöhen. Ihre Förderung erfolgt nicht, um aus ihnen Museen zu machen, sie werden gefördert, um zeitgenössisches Repertoire zu spielen.

Wir werten diese Empfehlung des Rechnungshofes als eine skandalöse Kompetenzüberschreitung, die nicht nur zu Lasten der Kunst- und Kulturschaffenden geht, denen sie die Bühnen wegnimmt und die Einnahmen, sondern die auch das Publikums um Gegenwartsprogramme bringen möchte.

Wir finden diese Empfehlung umso skandalöser, als Autor/inn/en und Komponist/inn/en mit ihren Tantiemen ohnehin nur an den Kasseneinahmen beteiligt werden, die einen Bruchteil der zum allergrößten Teil aus Subventionen stammenden Einnahmen der Bühnen ausmachen.

Wir fordern die Revidierung dieser Empfehlung und auch vom Rechnungshof ein Bekenntnis zur zeitgenössischen Kunst, die ihren Wert hat und vergütet werden muss. Wir erwarten darüber hinaus von den Fördergebern ganz besonders darauf zu achten, dass die Gegenwartsanteile an den Bühnen nicht sinken, sondern steigen.

Wir streben ab sofort und intensiver denn je die Einführung einer Urhebernachfolgegebühr an, mit der jeder Versuch, aus Einsparungsgründen Bühnen zu musealisieren, unterbunden werden kann. Niemand soll sich etwas ersparen, wenn er gesicherte historische Kunst statt ungesicherter Gegenwartskunst spielt. Wenn eine solche Regelung nicht auf urheberrechtlichem Weg möglich ist, so könnte sie auch auf dem Förderweg umgesetzt werden. Bühnen, die tantiemenfreie Stücke spielen, zahlen die dafür anfallenden Tantiemen in einen Fonds, aus dem Gegenwartsaufführungen unterstützt werden.

Alexander Kukelka, Österreichischer Komponistenbund
Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren

 

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